Wenn wir einen inhaltlichen Beschluss fassen, dann pieksen wir! Das gleiche gilt für Forderungen, für unseren Einsatz in Debatten und einer junggrünen Positionierung innerhalb von Gremien. Wir pieksen und pieksen und pieksen. Wir sind stachelig. Und beschreiben damit ein entscheidendes Symbol. Man könnte meinen: Wir machen Symbolpolitik.

Unsere Forderungen sind zum Teil weit weg vom eigentlichen realpolitischen Geschehen – selbst die Politik von Bündin90/Die Grünen bewegt sich nicht auf der gleichen Flughöhe. Jugend in den Parlamenten, solidarisches Grundeinkommen, eine Stärkung des Frauenstatus: All jene Punkte zeichnen uns als Grüne Jugend aus und distanzieren uns gleichwohl von einer realpolitisch direkt umsetzbaren Beschlusslage. Macht diese Art der Politik überhaupt Sinn? Ich plädiere ganz stark dafür und behaupte: Genau dafür sind wir da. Als Jugendorganisation von Bündnis 90/Die Grünen sind wir förmlich wie dafür gemacht.

Ein Pieks ist ein Impuls, eine Aufforderung. Wenn ich dich piekse, dann drehst du dich um und siehst zu mir herüber – eine reflexartige Reaktion. Dieses Phänomen lässt sich auf politische Debatten übertragen: Wenn wir pieksen, dann können wir den Diskurs in die Richtung unserer Beschlusslage verlagern. Wir sagen förmlich: Wir sind da! Und wir wollen gehört werden! Dies wirkt sich über Umwege auf den gesamten politischen Diskurs aus. Als Jugendorganisation von Bündnis90/Die Grünen wird unsere Stimme dort am ehesten gehört. Beschlüsse der Partei passen sich durch diesen Impuls ein wenig unseren Wertevorstellungen an, die wir mit unseren Forderungen heraustragen und letztendlich wird jener Impuls innerhalb des gesamtpolitischen Geschehens weitergeleitet – er wird spürbar.

Ein konkretes Beispiel: Wenn wir fordern, dass ein willkürlich gesetztes Mindestalter für demokratische Wahlen abgeschafft wird, integrieren wir jene Forderung im politischen Diskurs. Wenn zuvor ein Mindestalter von 16 Jahren innerhalb des Diskurses als extreme Forderung galt, wird sie durch unsere starke Forderung – eben einem Pieks – wesentlich realistischer. Und das betrifft jeden Diskurs: Ob im Sozialen, der Migration oder im Queerfeminismus. Wenn wir pieksen, legitimieren wir schwächere Forderungen und machen sie zu realpolitischen Positionen. 

Oft wird der Begriff der Symbolpolitik zur Diskreditierung von Positionen genutzt. Doch ich möchte sagen: Lasst uns gezielt Symbol und Vorbild sein! Fordert das Unmögliche, damit das Unmögliche in der realpolitischen Debatte ein Stück weit möglicher wird. Lasst uns pieksen und mit jedem Pieks den Diskurs in junggrüne Richtungen treiben. 

Abschließen möchte ich mit einem passenden Zitat – genauer gesagt handelt es sich um den Titel eines Werkes zur 68er-Bewegung der Professorin Meike Sophia Baader. Sie ist Mitglied eines Graduiertenkollegszum Thema „Gender und Bildung“ an der Universität Hildesheim. Momentan wirbt das Thalia Theater in Hamburg mit ihrem Spruch:„Seid realistisch, verlangt das Unmögliche!“ – oder wie wir sagen könnten: „Seid jung, grün und stachelig!“ und vor allem: Piekst was das Zeug hält!