von Kaja Kröger, 16 Jahre, Schülerin

Ja, Fleisch isst mein Gemüse! Mein Gemüse, das ist die Umwelt in der ich lebe, das Wasser, das ich trinke, und das Getreide, das ich esse. All das wird von der Fleischindustrie zerstört, verschwendet und ausgeschöpft. Im Klartext: Der globale Fleischkonsum trägt durch seinen immensen CO2 Ausstoß, seinen gigantischen Verbrauch an Wasser und anderen Ressourcen, sowie nicht zuletzt durch unwürdige Lebensverhältnisse der Tiere und qualvolle Schlachtmethoden zum Unwohl der Umwelt und der Menschheit bei. Diese unangenehme Wahrheit möchten aber viele Menschen lieber nicht wahrhaben; sie schieben die Erderwärmung ausschließlich auf den CO2 Ausstoß von Transportmitteln und der Industrie und sie dementieren die Notwendigkeit einer Eindämmung ihres Fleischkonsums mit schwachen Argumenten.

Der weltweite Fleischkonsum steigt von Jahr zu Jahr an – gerade in der letzen Zeit kommt der Fleischkonsum in den Schwellenländern hinzu. Wir essen Putenbrust auf dem Frühstücksbrötchen, Wiener Schnitzel zum Mittag und Leberwurst auf unserer Scheibe Brot am Abend. Unser Fleischkonsum ist außer Kontrolle. Doch eigentlich sind wir gar nicht dafür gemacht, diese Mengen an Fleisch zu verzehren. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, maximal 300g- 600g Fleisch- und Wurstwaren pro Woche zu verzehren, tendenziell lieber weniger. In Hamburg verzehren die Frauen durchschnittlich 51-55g Fleisch am Tag, da bleibt man pro Woche unter 400g. Bei den Männern sieht es da schon anders aus: über 105g Fleisch am Tag, über 700g Fleisch pro Woche. In Stadtstaaten wie Hamburg und Berlin ist der Fleischkonsum potentiell niedriger. Der Osten Deutschlands (Berlin ausgeschlossen) verzeichnet mit Bayern den höchsten Fleischkonsum Deutschlands.
Es ist dringend an der Zeit, dass wir unseren Fleischkonsum erheblich eindämmen. Doch wie überzeugt man so viele Menschen, ein ganzes Land, etwas zu bewegen das schon lange hätte bewegt werden müssen? Fleisch wird in Massen konsumiert, je höher die Nachfrage, desto mehr Massentierhaltung und natürlich umso mehr Methan. Die Konsequenz: zusätzliche Erderwärmung. Die Fleischindustrie wird zum Super-GAU unserer Umwelt.

Zum Thema Erderwärmung ein paar Fakten: 1kg des Gases Methan hat, auf 100 Jahre gesehen, ein 25-mal höheres Treibhauspotenzial als 1kg CO2. Das zeigt, dass die Viehhaltung auf lange Sicht eine viel extremere Auswirkung auf den Klimawandel hat, als zum Beispiel der weltweite CO2-Ausstoß. Doch der Klimawandel ist nicht das einzige Problem. Zum Füttern der Tiere wird so viel Getreide und andere Pflanzen benötigt, dass davon alle hungernden Menschen dieser Erde ernähren könnten. Weiterhin verbraucht die Fleischindustrie große Mengen Trinkwasser. Während es in vielen Ländern dieser Erde bereits Konflikte um Trinkwasser gibt.
Zum Vergleich: Für die Menge Wasser, die ein Kilo Rindfleisch in seiner „Herstellung“ verbraucht, kann ein Mensch ein ganzes Jahr lang duschen.

Ein weiterer Punkt sind die Tiere und die Qualen, die wir diesen antun. In meinen Augen stellt auch das eine Zerstörung der Erde und die Massentierhaltung ein Zerfall unser moralischen Werte dar. Es geht um Gerechtigkeit, um die Achtung und den Respekt vor der Natur und unserer Erde und um die Menschheit, die doch eigentlich Moral als ihr Fundament hat. Wir müssen aufhören, unsere Augen zu verschließen vor dem unsagbaren Leid, das wir den Tieren und damit am Ende des Tages auch uns selbst zufügen. Doch wo sollen wir anfangen, unsere Welt zu verbessern?

Es ist unbestreitbar, dass sich nicht die ganze Menschheit über Nacht zum Vegetarismus oder Veganismus konvertieren lassen wird. Da helfen keine verbalen Wutausbrüche und keine Videos aus Schlachthöfen. Um andere Menschen zur Erkenntnis ihres Verhalten zu bewegen, braucht man zwei essentielle Qualitäten: Verständnis und Geduld. Wir müssen einander sachlich über gesündere, ökologischere und ethisch verantwortungsbewusstere Ernährung und die damit verbundenen Vorteile aufklären. Vielen sind die Auswirkungen der Fleischindustrie, die sie selbst unterstützen, nicht bewusst. Also brauchen wir etwas, das öffentliche Aufmerksamkeit bekommt. Etwas, das zum Nach- und Weiterdenken animiert und ein Zeichen für gesunde Ernährung und den Schutz unserer Umwelt setzt. Wir brauchen einen Veggie-Day! …einen Meatless Monday, einen fleischfreien Freitag – egal wie er nachher heißt: Einen festen Tag pro Woche, an dem es in Großküchen, Kantinen, Kitas und Schulen nur vegetarisches Essen gibt – das wäre beispielhaft und ein wichtiger Schritt für Hamburg, für Berlin, für alle anderen Städte. Bremen war die erste Stadt in Deutschland, die solch einen Tag fest einführte- und das erfolgreich. Seit 2010 gibt es in öffentlichen Einrichtungen donnerstags nur vegetarisches Essen und auch Restaurants stellen vegetarische Gerichte an diesem Tag in den Vordergrund. Laut Pressestelle des Senats in Bremen ein „sensationeller Erfolg“.

Eine wertvolle Initiative also, die es in meinen Augen in viel mehr Städten deutschlandweit, europaweit, weltweit geben müsste. Um einen solchen festeingeplanten Tag zum Beispiel in Hamburg durchzusetzen, müssten Schulen, Kitas, und auch Großküchen von dieser Idee überzeugt werden.
Auf solch einer Basis könnte Druck auf den politischen Ebenen vergrößert werden und mit Schirmherrschaften von einflussreicher Politiker_innen noch schneller etwas bewegt werden.Das sind die Tipps der Bremer Initiator_innen des Veggie Days- auf diese Weise kam ihr Projekt schnell ins Rollen. Doch auch wenn der Veggie Day noch nicht etabliert ist, kann ein inoffizieller Aufruf zum Vegetarier_in-Sein am Donnerstag nicht schaden. Es gibt heutzutage so viele Möglichkeiten, kinderleicht vegetarisch oder auch vegan zu leben. Und damit täten wir nicht nur uns selbst einen Gefallen, sondern auch allen anderen Menschen, der Umwelt und den Tieren. Darauf eine Seitanbratwurst.