Wahlkampf. Über viele Wochen hat sich ein diffuses Gefühl der Spannung angestaut und es kam zu einer überwältigenden Entladung. An jenem Tag, als die ersten Hochrechnungen der Europawahlergebnisse am 26. Mai an die Wand gebeamt wurden und sie die Augen der Menschen im prall gefüllten Konferenzsaal der Landesgeschäftsstelle trafen. Genau in diesem Moment wurde ein Foto geschossen.

Es existieren Bilder, die in ihrem Ausdruck so stark sind, dass sie sich einer bloßen Beschreibung durch Wortaneinanderreihungen entbehren. Sie werden zu einem Symbol. Einerseits trägt das Bild einen strahlenden Höhepunkt der menschlichen Emotionalität – einen Ausdruck der tiefsten Freude, einer durchdringenden Euphorie. In der Mimik, Gestik und insbesondere in den Augen der abgebildeten Personen wird ein authentisches Glücksgefühl vermittelt, welches den gesamten Abend in seiner Stimmung beflügelt hatte. Dieses Bild, und damit jener Abend, trägt eine weitere Bedeutung: Jugendlichkeit. 

Auf parteilicher Ebene stricken sich junggrüne Menschen mit ihren Positionen in das Webmuster der Partei – Mitgliederabende werden nicht nur von junggrünen Personen besucht: Sie prägen den gesamten Diskurs und verjüngen die ausgetragenen Debatten mit ihren sensiblen Standpunkten, ihren Werten, Idealen und Ideen und verankern sich in die Identität der Partei. Dies verlangt geradezu nach einer junggrünen Repräsentation in den grünen Fraktionen der entscheidungsfindenden Parlamente auf allen Ebenen. 

Es werden Entscheidungen getroffen, die Menschen jedes Alters, jeder Herkunft und jedes Geschlechts betreffen – es handelt sich um Entscheidungen, bei welchen ein entsprechender Interessensaustausch einer repräsentativen Personengruppe eine Bedingung einer gerechten Demokratie darstellt. Wähler*Innen haben bewusst junge Menschen in die Bezirksversammlungen gewählt und ihnen somit eine Stimme gegeben: Alske, Marcel, Ivy, Jan, Linus, Manuel, Clemens, Martin, Andreas, Jakob, Dana, Jim und Sina werden als junggrüne Personen in sechs Bezirken in Hamburg einziehen und eine Repräsentation von jungen Menschen in diesen Parlamenten stellen. Es ist nicht nur ein Zeichen, es handelt sich um nicht weniger als die Verwirklichung der Idee einer gerechten, repräsentativen und dynamischen Demokratie. Es handelt sich um ein Abbild einer Partei, in welcher junge Menschen grundsätzlich mitbestimmen möchten und alles daran setzen, gehört zu werden. 

Die Struktur verschiedener Parlamente impliziert eine gewisse Hierarchie – ob sie berechtigt ist oder nicht. Eine langjährigen Profilierung und absurde, diffuse Anforderungen einer gewissen „Lebenserfahrung“ spielen eine übergeordnete Rolle bei der Listenaufstellung potenzieller Parlamentarier*innen, je höher die Ebene des Parlaments ist. In diesem Fall sind genau jene Anforderungen in ihrer Natur diskriminierend – verleiten zu der Idee, dass Interessen, Vorstellungen, Wünsche und Lebensrealitäten mehr wert seien, je älter Personen sind. Darum ist ein besonderes Augenmerk auf die Ergebnisse der Europawahlen zu richten, denn auch dort hat eine junggrüne Person den Einzug in das Europaparlament geschafft: Niklas Nienaß, junggrüne Person aus Mecklenburg-Vorpommern. Ein Zeichen, das junge  Menschen ermutigen sollte: Die Parlamente sind nicht unerreichbar, Parlamente können und müssen jung und dynamisch besetzt werden. 

Traut euch, seid stachelig, und habt das Selbstvertrauen eure Stimme zu äußern und damit eure Ideen in die Entscheidungen auf jeder Ebene einzubringen! Altersbedingte Machthierarchien sind ein Konstrukt, die in einer Demokratie keine Berechtigung haben sollten. Macht die Parlamente repräsentativ, damit die Interessen aller Menschen in den Parlamenten vertreten werden. Allerherzlichsten Glückwunsch an alle, die diesen Weg gegangen sind und nun gewählt worden sind! 

von Andreas Strube