15. Februar 2026

Austritt aus dem 8M Bündnis zum 8. März in Hamburg

Wir, die GRÜNE JUGEND Hamburg, verlassen mit sofortiger Wirkung das Bündnis 8M, welches die Großdemonstration am 8. März zum feministischen Kampftag (Weltfrauentag) organisiert. Gründe hierfür sind antisemitische Äußerungen sowie ein transfeindlicher Übergriff durch Vertreter*innen einzelner Organisationen im Rahmen der Bündnisarbeit.

Als GRÜNE JUGEND Hamburg treten wir für einen solidarischen, gerechten und intersektionalen Feminismus ein, der ausnahmslos alle FLINTA*s, unabhängig von Herkunft oder Religion, einschließt.

Bündnisarbeit stellt alle Partner*innen oft vor große Herausforderungen, da unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen und ein Konsens gefunden werden muss. Wir verstehen uns als einen Verband, der sich aktiv am Aufbau linker Strukturen beteiligt und stets bereit ist, auch bei politischen Differenzen Kompromisse mit unseren Bündnispartnern einzugehen. Nur durch diese Kompromissbereitschaft kann Bündnisarbeit erfolgreich sein.

Dennoch gibt es im Rahmen dieses Prozesses rote Linien, deren Überschreitung eine Fortsetzung der Zusammenarbeit unmöglich macht. Leider wurden diese Grenzen im 8. März Bündnis [8M] durch Vertreter*innen einzelner Organisationen überschritten.

Während der Vorbereitung der Demonstration zum 8. März kam es zu einer Auseinandersetzung. Dabei wurden unsere Vertreter*innen von der Gegenseite unter anderem mit der Aussage konfrontiert, dass sich weder israelische Frauen bei der kommenden Demonstration willkommen fühlen sollen noch jüdische Frauen sich auf der Demo sicher fühlen müssen. 

Diese antisemitische Entgleisung blieb innerhalb des Bündnisses weitestgehend unwidersprochen und ist für uns inakzeptabel. Solidarität mit dem palästinensischen Volk darf sich nicht durch pauschalisierende antisemitische Aussagen ausdrücken. Solche Aussagen haben nichts mit legitimer Kritik an dem völkerrechtswidrigem Vorgehen und dem damit verbundenen, von der israelischen Regierung verursachtem, Leid zu tun, sondern sind schlichtweg antisemitisch. 
Unsere Solidarität gilt gleichermaßen palästinensischen wie israelischen FLINTA*s.

Dazu Carro Göbel (dey/deren oder keine Pronomen), Co-Landessprecher*in: „Ein Feminismus, der jüdische oder israelische Frauen bewusst ausschließt, verrät seine eigenen Grundsätze. Für uns ist klar: Feminismus schließt ausnahmslos alle FLINTA* ein oder er ist keiner. Wer bestimmte Personengruppen für unerwünscht erklärt, hat den Boden feministischer Solidarität verlassen. Das ist nicht nur widersprüchlich, sondern gefährlich und für uns untragbar.

Darüber hinaus kam es im Nachgang des Treffens und der Auseinandersetzung zu einem transfeindlichen Übergriff, bei dem unser*e Landessprecher*in Carro, nichtbinär, absichtlich und herabwürdigend mit “Es” angesprochen wurde.

Dazu Leon Meyer (er/ihm), Co-Landessprecher: „Antisemitisches und transfeindliches Verhalten im 8M Bündnis machen uns fassungslos und betroffen. Wer unsere Vertreter*innen transfeindlich angeht, zeigt nicht nur Respektlosigkeit, sondern greift gezielt an. Transfeindliches Verhalten hat aus unserer Sicht in feministischen Bündnissen keinen Platz.

Trotz des Austritts aus dem Bündnis bekräftigen wir unsere Entschlossenheit, den Kampf für die Rechte aller FLINTA*s fortzusetzen.

Für uns ist dennoch klar: Die GRÜNE JUGEND Hamburg wird am 8. März laut, solidarisch und kämpferisch auf der Straße sein.” erklärt Carro Göbel (dey/deren). “Für einen feministischen Kampftag, der niemanden zurücklässt. Unseren Platz sehen wir nun jedoch auf einer anderen Demonstration, auf der alle FLINTA*s Solidarität erfahren.

Leon Meyer (er/ihm) ergänzt: „Das diesjährige Bündnismotto der 8M Demo >Vereint zum internationalen feministischen Kampftag< ist angesichts der Geschehnisse innerhalb des Bündnisses eine Worthülse. Statt Geschlossenheit zu zeigen, erleben wir, dass einzelne Bündnispartner*innen aktiv versuchen, andere zum Austritt zu drängen oder auszuschließen. Gleichzeitig sind ganze Personengruppen, im Auge einzelner Bündnispartner*innen, aufgrund ihrer Herkunft oder Religion auf der Demo nicht willkommen. Dies ist für uns inkonsequent und inakzeptabel.

Trotz unseres Austritts danken wir der großen Mehrheit der beteiligten Organisationen für die konstruktive, vertrauensvolle Zusammenarbeit, die wir weiterhin sehr schätzen.