Die Olympischen RingeAm 21.03.2015 hat der DOSB entschieden, dass sich Hamburg für Deutschland um die Ausrichtung der olympischen Sommerspiele 2024 bewerben wird. Erste Konzepte für die Ausrichtung der Olympischen Spiele und den Bau des Olympiageländes auf dem kleinen Grasbrook sind bereits ausgearbeitet und veröffentlicht. Die Bürger_innen Hamburgs sollen dann am 29.11.2015 in einem Referendum darüber entscheiden, ob sie Olympia in ihrer Stadt wollen. Die Hamburger Olympiabewerbung ist von dem Erfolg dieses Referendums abhängig.Die endgültige Vergabe der olympischen Spiele 2024 findet im Jahr 2017 statt. Die Regierung hat schon vor der Entscheidung des DOSBs eine Kampagne unter dem Motto ”Feuer und Flamme für die Spiele in Hamburg” begonnen, mit der in der ganzen Stadt für Olympia geworben wird. Diese Kampagne ist aber keine Informationskampagne, sondern eine nur auf Emotionen fußende Werbekampagne.

Gute Stadtentwicklung sieht anders aus

Die Austragung Olympischer Spiele hätte große Auswirkung auf die Stadtentwicklung. Auf dem Kleinen Grasbrook soll nach der Nutzung als olympisches Dorf ein ganz neuer Stadtteil, ”OlympicCity”, entstehen. Ob das jedoch eine den Menschen nützende Entwicklung ist, steht in Frage. Zwar sollen neue Wohnungen entstehen, von denen sind aber nur 1/3 Sozialwohnungen und auch dieser Status erlischt nach 10 Jahren. Der Senat zeichnet in seinen Beschreibungen das Bild eines modernen, durchmischten Stadtteiles mit hoher Lebensqualität. Langfristig werden die Mieten auf dem Kleinen Grasbrook und in den umliegenden Stadtteilen wohl steigen, sodass ein weiteres innerstädtisches Wohngebiet für die meisten Hamburger_innen unerschwinglich wird. Außerdem könnten steigende Mieten in den umliegenden Stadtteilen, also vor allem auf der Veddel und in Wilhelmsburg, dafür sorgen, dass Menschen, die dort seit Jahren und Jahrzehnten wohnen, vertrieben werden, weil sie sich das Leben dort nicht mehr leisten können. Auch könnte die Schaffung eines ”olympischen Stadtteils” sogar kontraproduktiv sein: Was soll Hamburg mit einem riesigen Olympiastadion mitten in der Stadt? Auf dieser Fläche könnten sonst viele weitere Wohnungen entstehen. Stadtentwicklung und Wohnungsbau müssen auch ohne kostspielige Olympische Spiele möglich sein!

An die ausrichtende Stadt stellt das IOC eine ganze Reihe Bedingungen, festgehalten im Host-City-Vertrag (HCC). Die erste Version dieses Vertrages wird am 15.9.2015 veröffentlicht; unklar ist jedoch, wie Hamburg in den darauffolgenden Monaten noch auf den Vertrag einwirken kann. In der Vergangenheit durfte dieser Vertrag oft nur noch einseitg vom IOC verändert werden, die Endversion lag oft erst bei der Vergabe der Ausrichtung der Olympischen Spiele vor, und musste dann sofort von der ausrichtenden Stadt unterzeichnet werden. In den vergangenen Jahren beinhaltete der HCC immer wieder sogenannte ”olympic lanes”, also durch die olympischen Ringe gekennzeichnete Straßenspuren, die nur von Athlet_innen und Funktionär_innen genutzt werden dürfen. Diese erschweren die Entwicklung Hamburgs zur Fahrradstadt und verschärfen obendrein die ohnehin schon angespannte Verkehrssituation in der Stadt.

Ein hoher Preis

Auch aus finanzieller Sicht hat Olympia durchaus große Auswirkungen. Allein die Durchführung Olympischer Spiele wird mehrere Milliarden Euro kosten, zwar zahlt das IOC hier Zuschüsse, mögliche Verluste muss die Stadt jedoch allein auffangen. Auch die Sanierung vieler Sportstätten, dazu noch der Neubau von mindestens drei großen Arenen, veranschlagt hohe Investitionen. Der Senat spricht aktuell von mindestens 2 Milliarden Euro, die von der Stadt, also vom Geld der Steuerzahler_innen, getragen werden müssen. Diese 2 Milliarden Euro fehlen an anderen Stellen, an denen sie dringend benötigt werden.

Der Senat erklärte im August in einem ersten Olympiakonzept, Bildung und Kultur seien ”Nutznießer” olympischer Spiele. Doch gerade diese Ressorts müssen wohl mit weiteren heftigen Kürzungen rechnen, sollte Hamburg im Falle einer erfolgreichen Bewerbung tatsächlich viele Sportanlagen sanieren und neu bauen müssen. Außerdem könnte die Sanierung öffentlicher Gebäude und Infrastruktur in den Außenbezirken fernab des Kleinen Grasbrooks zum Erliegen kommen, wenn sich die städtischen Investitionen nur noch auf die für Olympia relevanten Sportanlagen konzentrieren. Ein weiteres Problem, welches viele Kosten verursachen könnte, sind die Flächen auf dem Kleinen Grasbrook. Diese sind von der Hamburger Hafen und Logistik AG (kurz HHLA) noch bis 2030 gepachtet. Der Kleine Grasbrook müsste allerdings bereits 2020 geräumt sein, damit rechtzeitig mit dem Bau von olympischem Dorf und Stadien begonnen werden kann. Für den möglichen früheren Wegzug vom Kleinen Grasbrook fordert die HHLA als Entschädigung momentan jedoch mehrere Milliarden Euro.Auch die Einnahmen, die Hamburg durch die Olympischen Spiele möglicherweise hätte, können das nicht refinanzieren. Die restlichen Kosten sollen sowohl vom Bund (also letztlich auch dem Geld der Steuerzahler_innen) als auch in großen Teilen von privaten Investor_innen finanziert werden. Das ist aber lediglich geplant; ob sich diese privaten Investor_innen tatsächlich finden lassen steht in den Sternen. Auch die vom Senat versprochene Refinanzierung durch Verkauf hat ihre Tücken, so wird sie unter anderem für den oben bereits erwähnten Aspekt der Gentrifizierung sorgen. Es ist außerdem alles andere als sicher, dass es bei den zurzeit geplanten Ausgaben bleibt, schließlich mussten wir in den letzten Jahren immer wieder (z.B.in London) erleben, dass die Kosten für Olympische Spiele explosionsartig stiegen.

Hochsicherheitszone Olympia?

Während der Olympischen Spiele sind die Sicherheitsvorkehrungen enorm. Um Terroranschlägen vorzubeugen bzw. diese zu verhindern, wird die Kameraüberwachung des öffentlichen Raums massiv zunehmen und rund um die Sportstätten und die Quartiere der Sportler_innen werden gefahrengebietsähnliche Zonen, Sicherheitsinseln, errichtet werden. Auch ist davon auszugehen, dass die Sicherheitsmaßnahmen in großen Teilen auch privatisiert und militarisiert werden, weil die Polizei diese Maßnahmen alleine nicht durchführen kann. In der Realität bedeutet das: Militärschiffe auf der Elbe, private Firmen, die öffentlichen Raum mit Kameras überwachen und ein hermetisch abgeriegeltes olympisches Dorf, sodass die Spiele (wie in London bzw. insbesondere Newham 2012) zwar in, aber nicht mit Hamburg bzw. insbesondere der Veddel und Wilhelmsburg stattfinden. Diese Maßnahmen bedeuten deutliche Einschränkungen der Grundrechte der Bürger_innen. Diese Einschränkungen müssen zwar vorher verfassungsrechtlich legitimiert werden (was mit einem Parlament, das in großen Teilen für die Spiele in Hamburg ist, kein Problem darstellt), das bedeutet aber auch, dass diese Gesetzesänderungen hinterher bestehen bleiben können.

Spiele ohne Bürger_innen

Doch die olympischen Spiele bedeuten weitere Nachteile für die Bürger_innen Hamburgs. Die Preise für Eintrittskarten zu den olympischen  Wettkämpfen sind so hoch, dass sich viele Hamburger_innen den Besuch nicht leisten können. Sie bekommen von Olympischen Spielen nur aus dem Fernsehen und durch den permanenten Ausnahmezustand in ihrer Stadt mit. Zudem hat sich bei den letzten Olympischen Spielen gezeigt, dass in den ausrichtenden Städten die Lebenshaltungskosten deutlich steigen, so zahlen die Bürger_innen für Spiele, an denen sie nicht teilhaben können. In Hamburg sind die Spiele also nur für die reichsten Teile der Bevölkerung interessant, die meisten Büger_innen nehmen durch die Ausrichtung der Spiele nur Schaden.

Der zweifelhafte Verband

Die Grundidee der olympischen Spiele, ”die Jugend der Welt kommt zusammen und treibt Sport”, ist durchaus begrüßenswert, doch von dieser olympischen Idee ist dieser Tage nicht mehr viel übrig. In den vergangenen Jahrzehnten ist sie dem Gigantismus und der Kommerzialisierung gewichen. Dabei ist das IOC vor allem auf die eigene Gewinnmaximierung ausgerichtet, es ist Hauptverdiener an der Vermarktung der Olympischen Spiele. Das IOC ist in den letzten Jahrzehnten hauptsächlich durch Intransparenz und die Vergabe der Olympischen Spiele in Autokratien und menschenrechtsverletzende Staaten aufgefallen, was dazu führt, dass sich, aus guten Gründen, immer weniger demokratische Staaten bewerben wollen. Es wurden zwar Reformen versprochen, doch was diese bringen, wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen. Allerdings verspricht die Teilnahme von Transparency International an der Hamburger Bewerbungskomission ein transparentes und von Korruption freies Bewerbungsverfahren. Bis der Erfolg der anderen Reformen jedoch sichergestellt ist, sollte sich das IOC bei den Städten bewerben und nicht umgekehrt.

Nicht um diesen Preis!

Olympische Spiele wird Hamburg nur um einen sehr hohen Preis veranstalten können. Neben den hohen finanziellen Belastungen werden große Teile der Stadt in Hochsicherheitszonen verwandelt und die Gentrifizierung wird weiter vorangetrieben. Den meisten Hamburger_innen bleiben von den olympischen Spielen nur hohe Kosten und der Blick aus der Ferne auf den Kleinen Grasbrook.Ganz im Gegensatz zum Motto der Werbekampagne, ”Feuer und Flamme für die Spiele in Hamburg, weil Hamburg nur gewinnen kann”, kann Hamburg eben nicht nur gewinnen, sondern in vielerlei Hinsicht nur verlieren. Deswegen positioniert sich die GRÜNE JUGEND Hamburg klar gegen eine Hamburger Olympiabewerbung, wirbt für ein ”Nein” beim Olympia-Referendum am 29.11.2015 und wird im Vorfeld des Referendums u.a. mit dem Bündnis NOlympia zusammenarbeiten.