Die Olympische Idee ist eine großartige Idee. Wenn alle zwei Jahre die Welt zusammen kommt, um unabhängig von Nationalität, Geschlecht, Alter, Körper oder Sexualität den Sport zu feiern und in den sportlichen Wettbewerb zu treten, kann dies einen Beitrag zur Verständigung der Menschen und zur Interkulturalität leisten. Gerade in Zeiten, in denen es immer mehr Krisen in der Welt gibt, können Olympische Spiele dazu beitragen, die Menschen wieder ein Stück näher zusammen zu bringen.

Leider ist dies nur die eine Seite der Olympischen Spiele. Die andere Seite zeigt sich seit Jahren durch Gigantismus und Kommerzialisierung. Vor allem das Internationale Olympische Komitee (IOC), das für die Durchführung der Spiele zuständig ist, steht in der Kritik. Dem Komitee werden Korruption, Machtmissbrauch und Intransparenz vorgeworfen. Es plant zwar eine Trendwende. Ob diese funktioniert, wird sich aber erst in den nächsten Jahren zeigen.

Im letzten Jahr brachte die Handelskammer Hamburg eine erneute Bewerbung Hamburgs um Olympische Sommerspiele ins Gespräch. Nachdem die Hamburger Bewerbung um die Austragung der Olympischen Sommerspiele 2012 scheiterte, soll es nun 2024 oder 2028 klappen.

Eine Bewerbung Hamburgs um Olympische Spiele kann Chancen bieten. Olympische Spiele in Hamburg können die Sportbegeisterung in der Stadt stärken und engagierten Sportler_innen die Möglichkeit geben, sich zuhause einem internationalen Publikum zu zeigen. Die Spiele können dazu führen, dass Sportstätten in der Stadt modernisiert und neu gebaut werden sowie die Inklusion vorankommt. Davon würde nicht nur der Leistungssport profitieren, sondern insbesondere auch der Breitensport. Hamburg kann die Worthülse „Tor zur Welt“ mit Leben füllen.

Eine Bewerbung bringt aber auch viele Risiken mit sich. Ein Olympiakonzept Hamburgs muss Fehlentwicklungen vergangener Jahre eine deutliche Absage erteilen. Das bedeutet, dass Spiele in Hamburg umweltverträglich, stadtverträglich, innovativ, nachhaltig und baulich klein sein müssen. Die folgenden Bedingungen müssen aus Sicht der GRÜNEN JUGEND Hamburg erfüllt sein, um eine Bewerbung Hamburgs zu unterstützen. Sie dürfen nicht nur in der Bewerbung erwähnt werden sondern müssen in dem Plan zur Umsetzung als zwingende Faktoren erhalten bleiben.

 

Umwelt & Nachhaltigkeit

Olympische Spiele in Hamburg müssen CO2-neutral durchgeführt werden. Im Jahr 2024 wäre alles andere nicht auf der Höhe der Zeit. Das bedeutet beispielsweise, dass der Bau und Umbau der Sportstätten und des Olympischen Parks auf dem Kleinen Grasbrook keine negative Klimabilanz haben dürfen. Die Verkehrsplanung für Olympia muss ihren Fokus auf den Rad- und Fußverkehr sowie den ÖPNV legen; der Olympische Park muss autofrei sein.

Olympia darf in der Summe nicht zu zusätzlicher Flächenversiegelung in Hamburg führen. Im Gegenteil, wir erhoffen uns durch die freiwerdenden Hafenflächen auf dem Kleinen Grasbrook einen Gewinn an unversiegelten Flächen. Es darf keine Umsiedlung von Hafenflächen nach Moorburg geben.

Die Sportler_innen und Gäste der Olympischen Spiele müssen ebenso wie die Anwohner_innen vor der Luftbelastung des Hafens geschützt werden.

 

Soziales & Stadtverträglichkeit

Olympische Spiele dürfen nicht zu Entmietungen oder zu explodierenden Mietpreisen führen. Der Stadtteil, der nach den Spielen auf dem Kleinen Grasbrook entstehen soll, muss ausreichend öffentlich geförderten Wohnraum anbieten und darf nicht dem privaten Markt überlassen werden. Dazu gehört, dass mindestens ein Drittel aus Sozialwohnungen bestehen muss.

Die Sicherheit der Sportler_innen und der Gäste der Olympischen Spiele sowie der Anwohner_innen muss gewährleistet werden. Dies darf aber nicht zu Gefahrengebieten oder anderen Grundrechtseinschränkungen im Stadtgebiet führen.

 

Finanzen

In den letzten Jahren sind die Kosten für die Ausrichtung von Olympischen Spielen immer wieder explodiert. Gerade in Hamburg haben wir Erfahrung mit Großprojekten, die plötzlich viel mehr kosten, als sie eigentlich sollten. Das darf nicht passieren.

Uns ist bewusst, dass Hamburg für die Ausrichtung Olympischer Spiele investieren muss. Diese

Investitionen dürfen aber nicht auf eine zweiwöchige Party ausgerichtet sein, sondern müssen sich auch nach den Spielen positiv auf das Zusammenleben in der Stadt auswirken. Dazu zählt, dass für Olympische Spiele keine anderen Investitionen zurückgestellt werden dürfen. Hamburg muss weiter dafür sorgen, dass ausreichend Studienplätze zur Verfügung stehen, dass die Qualität in den Kitas sichergestellt ist und dass die offene Kinder- und Jugendhilfe funktioniert.

Eine Bewerbung Hamburgs darf keine Steuergelder kosten, die bei einer Ablehnung durch das IOC verpulvert wären.

 

Beteiligung & Innovation

Der Planungsprozess für Olympische Spiele muss transparent und im Dialog mit den Bürger_innen geschehen. Besonders berücksichtigt werden müssen die benachbarten Stadtteile des Kleinen Grasbrooks, die bei Olympischen Spielen am stärksten von den Auswirkungen betroffen wären.

Das Referendum, das die Stadt vor der Bewerbung durchführen möchte, muss in Kenntnis aller wesentlichen Rahmenbedingungen stattfinden. Dazu zählt für uns beispielsweise ein schlüssiges Finanzierungskonzept. Es darf nur stattfinden, wenn der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) sich für Hamburg als Kandidaten entscheidet. Die Stadt muss sich darüber hinaus verpflichten, das Konzept, über das mit dem Referendum abgestimmt wird, in den wesentlichen Punkten nicht mehr zu verändern und im Zweifel aus dem Projekt auszusteigen, wenn das IOC große Änderungen vornehmen möchte.

Der sogenannte „Host-City-Vertrag“, den das IOC mit der ausrichtenden Stadt schließt, darf nicht einseitig Risiken auf die Stadt abwälzen. Er muss öffentlich einsehbar sein. Das IOC muss sich verpflichten, transparent zu arbeiten und sich beispielsweise einem halbjährlichen Audit der Organisation „Transparency International“ zu unterziehen.

 

Wir sind da eher skeptisch

Dem Gigantismus der letzten Jahre muss eine Absage erteilt werden. Olympische Spiele in Hamburg sollen bewusst eine Rückkehr zur ursprünglichen Olympischen Idee einleiten und den Sport und den Menschen in den Mittelpunkt stellen.

Wenn diese Bedingungen erfüllt sind, können wir uns als GRÜNE JUGEND Hamburg mit Olympischen Spielen in Hamburg anfreunden. Wir sind aber sehr skeptisch, was das angeht. So läuft die Hafenwirtschaft bereits jetzt Sturm und verlangt bei einer städtebaulichen Nutzung des Kleinen Grasbrooks keine Einschränkungen im Hafenbetrieb und einen vollen Ausgleich der wegfallenden Flächen, auch in Moorburg. Es stehen Aussagen im Raum, dass das von Hamburg vorgelegte Konzept zu klein sei und der DOSB stellt bereits jetzt seine Pläne, wann er welche Stadt auswählen möchte, in Frage. Auch die Reformbereitschaft des IOC ist unklar.

Wir lassen uns gerne positiv überraschen und überzeugen, dass Hamburg in der Lage ist, gemeinsam mit einem transparenten IOC grüne, nachhaltige und sozialverträgliche Spiele auszurichten. Nach momentanen Kenntnisstand können wir zu Olympia in Hamburg allerdings nur sagen: So nicht!