Ein Bericht von Zoey Prigge

Im März bin ich nach Strasbourg zum Seminar “Open Source – Open Mind” gefahren, dass von FYEG und CDN – den junggrünen europäischen Dachorganisationen, in denen die GJ Mitglied bzw. Partner ist – in Zusammenarbeit mit dem Jugendzentrum des Europäischen Rates organisiert wurde.

Als Kernidee versuchte das Seminar den Zusammenhang des Open Source Gedankens (im Folgenden trotz Kontroverse als synonym für freie Software verwendet) mit den digitalen Menschenrechten zu verknüpfen. Wie kann der Zugang zu gemeinsamem Gut aktiv unsere Gesellschaft verändern und inwieweit müssen wir diesen sichern?

Am ersten Tag haben wir uns nach einer Einführung überlegt, ob es eigentlich so etwas wie digitale Menschenrechte gibt. Sicherlich: noch sind diese nirgends festgehalten, doch dies sollte sich ändern. Nach einer Einführung was Menschenrechte eigentlich sind, haben wir uns dem Thema langsam angenähert und sind zu den folgenden Schlüssen gekommen: Schon heute erfahren Menschen ohne digitale Anbindung die Trennung von einer wachsenden globalen Wissens-, Informations- und Datenbank. Wenn auch einzelne diese Trennung aktiv wünschen so sollte es genauso ein Recht für jedes Individuum geben auf Wunsch, einen Zugang zum Internet zu haben. So beschreibt das “Digital Divide” jene Grenze zwischen den Menschen die Zugang haben – und denen, die häufig in Entwicklungsländern leben und vom Internet abgeschnitten sind, da einfach kein physikalischer (oder terrestrischer) Zugang besteht bzw. Die Endgeräte nicht erschwinglich sind. Im Zuge unserer Arbeit und unseres Engagements sollte es für uns also ein wichtiges Ziel darstellen, allen Menschen einen Zugang zum Internet zu ermöglichen. Damit einher geht ein weiteres Recht, dass wir als Menschenrecht festgehalten haben: Das Recht auf Privatsphäre, das auch im Internet gelten sollte; Menschlich gerechte Datenkommunikation funktioniert nur, sofern der Datenschutz gerechtfertigt ist. Dieser stellt, wie wir bereits im Europawahlkampf zeigten, ein wichtiges Ziel für uns dar. Im Verlaufe des Seminars haben wir außerdem gelernt, wie wir Emails verschlüsseln bzw. wie freie Tools bei denen Datenschutzlücken im Code ersichtlicher sind, datenfressende Closed Source Applikationen ersetzen können. Als Beispiel sei hier das freie “Dudle” genannt, dessen Sourcecode auf Github zu finden ist und leicht selbst gehostet werden könnte, anstatt einen uns bekannten, akustisch sehr ähnlich klingenden Konkurrenten zu nutzen, der sicherlich all unsere IP-Adressen und zugehörigen Tagesabläufe kennt :).

Am nächsten Tag ging es dann ans Eingemachte: Was ist Open Source eigentlich? Wie ist die Definition? Was gehört dazu? Was sind Commons? Und kann etwas, das nicht Software ist eigentlich Quelloffen sein?
Zunächst einmal haben wir – zu meinem Erstaunen – festgestellt, dass Commons, die Grundidee zumindest, hinter freier Software, nicht ausschließlich digital sind, sondern dass dieser Begriff alles Gemeine beschreibt, dass uns Menschen zur Verfügung steht. So stellt zum Beispiel ein veröffentlichter Fortschritt aus Medizin oder Forschung oder aber auch die Luft, die wir alle (glücklicherweise noch kostenlos) Atmen, ein kommunes Gut, auf das jeder Zugriff hat, dar.
Aus dieser Idee abgeleitet ist das Ideal, das hinter freier Software steht. Die Idee, dass der Code bzw. das Rezept aus dem etwas gemacht wird für jede_n nachvollziehbar zur Verfügung gestellt wird. Daher sind wir zu dem Schluss gekommen, dass Open Source keinesfalls nur auf die Softwarewelt beziehbar ist. Tendenziell ist auch ein geteiltes Kochrezept Open Source, aber auch die Bauanleitung eines Hardwaretools, das frei und ohne Lizenzgebühr selbst nachgebaut werden kann.

Daraus ließen sich in den nächsten Tagen dann die Werte erarbeiten, die für uns in Open Source bzw. freier Software vertreten sein müssen. So sollte der Sourcecode idealerweise nicht nur Quelloffen sein, sondern auch editierbar. Aus dem bekannten sollte etwas neues werden dürfen. Ob es dem Ideal genügt es zuzulassen, dass das neue Ergebnis für sich behalten oder gar verkauft werden darf bzw. Genau dies zu verbieten (Copyleft), blieb auch nach unserer Evaluation ein Streitpunkt. Im Zuge dessen haben wir auch das Problem der Lizensierung angesprochen. Jede_r, der_die sein_ihr Werk veröffentlicht, kann dies unter einer selbstgewählten Lizenz tun. Diese sind auch für Open Source bzw. Freie Software oftmals vielschichtig und unterschiedlich streng. Dies sollte jede_r die_der über Open Source philosophiert im Blick behalten. So heißt Open Source nämlich keinesfalls, dass eine Software nicht auch durch ein kommerzielles Unternehmen entwickelt worden sein kann und dann als Open Source veröffentlicht. Wenn auch die Gründe für diesen Schritt nicht dieselben Ideale sein wollen, haben wir auch die Vorteile der kommerziellen Vermarktung eines Open Source Produktes angesprochen. So wird das Verkaufsargument nicht die Software selbst, sondern die Infrastruktur und der Service der durch die Betreiberfirma geboten wird; durch die Veröffentlichung des Codes erreicht sie eine zusätzliche Glaubwürdigkeit, da klar nachvollziehbar ist, wie die gewährten Daten verwendet werden.

Schlussendlich haben wir noch einen Tag damit verbracht persönliche Erfahrungen bzw. Projekte in Bezug auf Open Source, Hate Speech, Datenschutz, Social Media Sucht und andere Themen zu führen – der Form der Aktivität ist in diesem Falle die Mangelnde Berichterstattung zu entschuldigen. Sagen lässt sich allerdings, dass die Nutzung von geschlossenen sozialen Medien, die noch dazu eine fragwürdige Datenschutzpolice anwenden, durch Organisationen oft exklusiv ist gegenüber Menschen, die sich bei solchen Diensten nicht registrieren möchten, und nicht derart fortschrittlich, wie oft geglaubt.

Nachdem wir uns auf unserer Abschiedsfeier nochmals alle gegenseitig alles Gute gewünscht haben – einen Dank und herzlichen Gruß an all die lieben Menschen, die ich aus ganz Europa (und Asien) kennen und schätzen gelernt habe – haben wir an einem letzten Tag unsere Study Session evaluiert. Dabei haben wir beschlossen, dass die Session nachbereitet wird und uns allen in Form einer Wissenssammlung – ganz dem Commons Ideal entsprechend – zur Verfügung stehen wird. Noch ist diese nicht veröffentlicht aber ich werde euch gerne den Link teilen, sobald dies geschieht.

Auch werde ich meine Arbeit mit Open Source fortsetzen, da ich seit Mai Mitglied der Open Source Initiative von CDN bin, die das Seminar mit organisiert hat und uns ihre Arbeit vorgestellt hat.