Bunt statt braun

Die GRÜNE JUGEND Hamburg (GJHH) hat am heutigen 18. Dezember den folgenden offenen Brief an die Patriotische Gesellschaft von 1765 geschrieben. Wir kritisieren in diesem Brief die Vermietung des Hauses der Patriotischen Gesellschaft an die Partei „Alternative für Deutschland“ für Wahlkampfveranstaltungen und Parteitage und verlangen eine Stellungnahme dazu.

Maximilian Bierbaum, Sprecher der GRÜNEN JUGEND Hamburg, erklärt zum offenen Brief:

„In ihren Grundsätzen bekennt sich die Patriotische Gesellschaft von 1765 zur Förderung von Toleranz und zum Völkerverständigungsgedanken. Wir verstehen nicht, wieso die Patriotische Gesellschaft dann ihre Räumlichkeiten der sogenannten „Alternative für Deutschland“ zur Verfügung stellt. Die Partei „Alternative für Deutschland“ steht dafür, das Miteinander zwischen Menschen verschiedener Herkünfte und verschiedener Kulturen in unserer Stadt aufzukündigen. Sie unterstützt islamfeindliche Demonstrationen beispielsweise in Dresden und hat gerade erst die Intendantin des Kampnagel-Theaters angezeigt, weil diese Menschlichkeit beweist und Geflüchteten hilft. All dies passt nicht zu den Grundsätzen der Patriotischen Gesellschaft.

Unsere Stadt rühmt sich damit, das „Tor zur Welt“ zu sein. Unsere Vielfalt macht Hamburg lebenswert. Das soll auch so bleiben. Die Patriotische Gesellschaft von 1765 hat eine besondere Verantwortung für das Miteinander in unserer Stadt. Sie darf diese Verantwortung nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. Wir fordern die Patriotische Gesellschaft auf, die Vermietung ihres Hauses an die „AfD“ in Zukunft zu überdenken und freuen uns auf eine öffentliche Stellungnahme.“

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HAMMABURG GmbH
Patriotische Gesellschaft von 1765
Trostbrücke 4
20457 Hamburg

Offener Brief: Vermietung Ihrer Räumlichkeiten an die sogenannte „Alternative für Deutschland“

Sehr geehrte Frau Dr. Ingrid Nümann-Seidewinkel,
sehr geehrte Frau Wibke Kähler-Siemssen,

Sie haben uns letzte Woche darauf hingewiesen, dass der Countdown zur Bürgerschaftswahl im Februar 2015 läuft und dass Sie auch uns gerne dazu einladen, Veranstaltungen im Haus der Patriotischen Gesellschaft von 1765 stattfinden zu lassen.

Mit Verwunderung haben wir in den letzten Wochen aber feststellen müssen, dass auch die Partei „Alternative für Deutschland“ zu Veranstaltungen in Ihren Räumlichkeiten einlädt. Am 10. Dezember 2014 fand beispielsweise eine Veranstaltung mit Hans-Olaf Henkel, Europaabgeordneter der „AfD“ und Jörn Kruse, Spitzenkandidat des Hamburger Landesverbands, unter dem Motto „Alternativen für Europa, Deutschland & Hamburg“ statt. Am 14. November 2014 sprach Hans-Olaf Henkel zu den Themen „Vernunft, Anstand und Toleranz“ im Haus der Patriotischen Gesellschaft und vom 8. bis zum 9. November 2014 tagte der Hamburger Landesparteitag der sogenannten „Alternative für Deutschland“ in Ihren Räumen.

Auf Ihrer Homepage beschreiben Sie die Patriotische Gesellschaft von 1765 als eine Anlaufstelle für alle, die sich „für das Gemeinwohl einbringen wollen“. Sie sagen, dass Sie als Patriotische Gesellschaft „entschieden für soziale Gerechtigkeit und sozialen Ausgleich“ eintreten. In Ihrer Satzung heißt es, dass „die Förderung der Toleranz auf allen Gebieten der Kultur“ und der „Völkerverständigungsgedanke“ zu Ihren Aufgaben gehören.

Die sogenannte „Alternative für Deutschland“ ist bisher nicht dadurch aufgefallen, Toleranz oder den Völkerverständigungsgedanken zu stärken. Im Gegenteil: Zurzeit fällt die „AfD“ vor allem damit auf, Vorbehalte gegen Geflüchtete aus anderen Ländern zu schüren oder rassistische Demonstrationen in Dresden und in anderen Städten gegen eine angebliche „Islamisierung“ zu unterstützen. In Hamburg hat der Landesvorstand der „AfD“ gerade erst die Intendantin des Kampnagel-Theaters, Amelie Deuflhard, angezeigt, weil sie Menschlichkeit beweist und sechs Geflüchtete auf dem Gelände des Kampnagels unterstützt.

In Ihren allgemeinen Vertragsbedingungen zur Vermietung Ihrer Räumlichkeiten heißt es: „Der Mieter richtet seine Veranstaltung auf den besonderen Charakter des Hauses der Patriotischen Gesellschaft aus.“

Wir fragen uns, wie Veranstaltungen der sogenannten „Alternative für Deutschland“ dem Charakter Ihres Hauses und den Grundwerten und Zielen Ihrer Gesellschaft entsprechen. Wir bezweifeln, dass Sie Ihrem Ziel einer „Förderung der Toleranz auf allen Gebieten der Kultur“ oder einer „sozialen Gerechtigkeit“ in dieser Stadt näher kommen, wenn Sie weiterhin der sogenannten „Alternative für Deutschland“ Ihre Räumlichkeiten anbieten.

Die „Alternative für Deutschland“ steht dafür, das Miteinander zwischen Menschen verschiedener Herkünfte und verschiedener Kulturen in unserer Stadt aufzukündigen. So fordert die Hamburger „AfD“ in ihrem Wahlprogramm beispielsweise, die Staatsverträge mit den islamischen Verbänden wieder aufzulösen. Die „AfD“ setzt sich dafür ein, ein restriktives Einwanderungssystem zu schaffen, in dem Menschen nach ihrer Wirtschaftlichkeit bewertet werden und möchte Asylbewerber_innen nach Möglichkeit schnell abschieben. Die Asylbewerber_innen, die nach Maßstäben der „AfD“ bleiben dürfen, sollen von der Stadt nicht finanziell unterstützt werden, sondern nur Sachleistungen erhalten. Ein menschenwürdiges Leben ist so nicht möglich. Mit Aussagen wie „Einwanderung braucht klare Regeln“ erweckt die „AfD“ den Eindruck, dass Einwanderung bisher nicht geregelt sei und schürt so weitere Vorbehalte in unserer Stadt.

Unsere Stadt rühmt sich damit, das „Tor zur Welt“ zu sein. Unsere Vielfalt macht Hamburg lebenswert. Das soll auch so bleiben. Als Patriotische Gesellschaft von 1765 haben Sie eine besondere Verantwortung für das Miteinander in unserer Stadt.

Wir respektieren verschiedene Ansichten und Meinungen in unserer politischen Landschaft. Wir respektieren aber keine Parteien, die Minderheitenrechte infrage stellen und mit Positionen und Aussagen am rechten Rand fischen.

Bitte denken Sie einmal darüber nach, ob Parteien wie die sogenannte „Alternative für Deutschland“ zu Ihren Grundsätzen und Werten als Patriotische Gesellschaft von 1765 passen und ob Sie diesen Gruppierungen für Veranstaltungen weiter Ihr Haus überlassen und somit eine Bühne zur Verfügung stellen wollen.

Über eine Antwort und eine öffentliche Stellungnahme freuen wir uns.