Schulen haben eine gesellschaftliche Verantwortung zur nachhaltigen Entwicklung der Gesell­schaft beizutragen. Die UN hat sich das nachhaltige Entwicklungsziel gesetzt bis 2030 weltweit Bildung für alle zu erreichen. Auch in Hamburg gibt es diesbezüglich Verbesserungsbedarf. Schule sollte ein Ort des Miteinanders, der Erkenntnisse und der Persönlichkeitsentwicklung sein. Erfolg sollte dabei verstanden werden als das Erreichen individueller selbstbestimmte Lernziele. Erfolg sollte unabhängig von Herkunft und Geschlecht erreichbar sein. Bildung ist nicht nur Berufsvorbe­reitung, sondern auch Selbstzweck. Diese Vision von schulischer Bildung braucht eine tiefgreifen­den langfristigen Wandel des Bildungsverständnisses und der systemischen Grenzen.

Deshalb setzen wir uns ein für eine Schule von unten. Das bedeutet die gleichberechtigte demo­kratische Mitgestaltung der Schulentwicklung auf Augenhöhe von Schüler*innen, Lehrer*innen, Verwaltungspersonal und Eltern. Das bedeutet, Noten, Frontalunterricht, Aufteilung der Unter­richtsfächer, Klassen/Jahrgänge und Lehrpläne zu hinterfragen und neu zu denken. Alle Lerntypen und -geschwindigkeiten brauchen Raum und entsprechende Lernbegleitung. Gelebt wird diese Vi­sion nur, wenn es vor Ort und insbesondere auch von den Schüler*innen – also im doppelten Sinne von ‚unten‘ – diskutiert und beschlossen wurde.

Um das zu ermöglichen braucht es mehr Demokratie vor Ort an den Schulen und Schulversuche. Was es nicht braucht sind Top-Down-Struktur-Verordnungen vom Senat oder der Bürgerschaft – im Gegenteil: Diese sollten schrittweise aufgehoben bzw. so umformuliert werden, dass emanzi­patorische Bildung für globale Gerechtigkeit in der aktuellen sowie für zukünftige Generationen er­möglicht und Unterstützungsmaßnahmen dafür geschaffen werden. Konkret und kurzfristig heißt das, dass auch eine von Senat bzw. Bürgerschaft beschlossene Rückkehr zu G9 an Gymnasien statt Gerechtigkeit zu schaffen und sich unserer Vision anzunähern aktuelle Probleme verschärft und neue schafft. Ein Angleichen der Schulformen Stadtteilschulen und Gymnasien nimmt den Schüler*innen eine der wenigen Möglichkeiten ihre Schullaufbahn ihrer Lerngeschwindigkeit anzu­passen. Langfristig braucht es die Möglichkeit selbstbestimmter nicht nur inhaltlich, sondern auch didaktisch und strukturell die eigene Schullaufbahn zu gestalten. Damit die Schulversuche dafür Zeit und Raum haben finden wir einen kurzen Schulfrieden (z.B. 5 Jahre) im Sinne eines Top-Down-Strukturfriedens der Parteien in der Bürgerschaft sinnvoll. Unsere Utopie geht viel weiter, fangen wir endlich an!

Die Landesmitgliederversammlung der GRÜNEN JUGEND Hamburg

  • beauftragt den Landesvorstand der GRÜNEN JUGEND Hamburg einen Visionsprozess be­züglich unserer Hamburg-spezifischen Vorstellungen von Schulpolitik zu initiieren und zu begleiten.
  • beauftragt die Landesausschuss-Delegierten der GRÜNEN JUGEND Hamburg in dem Sinne des Antrags zu diskutieren und gegen die Einführung von G9 an Gymnasien durch Senat bzw. Bürgerschaft zu stimmen.

beschlossen auf der Landesmitgliederversammlung am 7.4.2018